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Einführung Recording: Wie fange ich an?

Um einen richtig gut klingenden Song aufzunehmen, benötigt ihr einiges an Vorbereitung, Planung und natürlich genügend tontechnisches und musikalisches Wissen, welches wir euch hier in verschiedenen Tutorials näher bringen wollen.

Wichtige Fragen

Ganz am Anfang solltet ihr zusammen mit den Musikern erst einmal die wichtigsten Fragen klären:

1. Welche Art von Musik nehmt ihr auf? Gibt es konkrete Soundvorstellungen (von der Band, dem Produzenten oder von euch)?

2. Welches Equipment steht zur Verfügung? (Instrumente, Backline, Studiotechnik)

3. Wie sind die Räume beschaffen, in denen ihr aufnehmen wollt? Beschränkt euch die Größe in irgendeiner Form?

4. Wie viel Zeit habt ihr für die Session?

5. Soll live, im Overdub-Verfahren oder gemischt aufgenommen werden?

6. Wird ein Pilot, ein Clicktrack oder eine Vorproduktion benötigt?

7. Sind die Musiker ausreichend vorbereitet (Ablauf des Songs etc.)

8. Ist das Equipment der Musiker in Ordnung? (Felle, Saiten, Kabel)

 

Der Inputplan

Wenn ihr alle verfügbaren Informationen gesammelt habt, sollte ein Plan erstellt werden, wie ihr die einzelnen Instrumente und Stimmen aufnehmt.

Bsp. verschiedene Inputpläne:

Instrument Input Mikrofon
Bassdrum 1 Sennheiser e602
Snare 2 Shure SM57
Overhead links 3 AKG C451
Overhead rechts 4 AKG C451
Bass 5 DI-Ausgang am Verstärker
Gitarre 6 Sennheiser MD409
Keyboard links 7 DI-Box
Keyboard rechts 8 DI-Box
Instrument Input Preamp Mikrofon
Bassdrum innen 1 Focusrite ISA428 Kanal1 Beyerdynamik M88
Bassdrum außen 2 Neumann V476 Neumann TLM170
Snare oben 3 Focusrite ISA428 Kanal2 Beyerdynamik M201
Snare unten 4 RME Fireface Kanal 1 Beyerdynamik M201
Hihat 5 Neumann V476 AKG C451
Ride 6 Neumann V476 AKG C451
Tom1 7 RME Fireface Kanal 2 Sennheiser MD421
Tom2 8 RME Fireface Kanal 3 Sennheiser MD421
Tom3 9 RME Fireface Kanal 4 Sennheiser MD421
Overhead links 10 Focusrite ISA428 Kanal3 AudioTechnica AE3000
Overhead rechts 11 Focusrite ISA428 Kanal4 AudioTechnica AE3000
Raum 12 Neumann V476 Neumann M147

2 Beispiele für verschiedenen Inputpläne

Dieser Inputplan hängt von 2 entscheidenden Faktoren ab:

  • welche Technik habt ihr zur Verfügung ( wie viele Mikrofone, Preamps, AD-Wandler)
  • wie lässt sich mit dieser vorhandenen Technik das beste Ergebnis erzielen

Um diese beiden Fragen zu klären, kommen wir zum nächsten Punkt, dem Soundcheck.

Der Soundcheck

Auch sehr gute und teure Mikrofone klingen an verschiedenen Instrumenten oder Stimmen unterschiedlich gut. Und zur Wahl des richtigen Preamps gibt es genauso wenig feststehende Regeln.

Falls ihr also genügend Zeit habt, ist es definitiv am besten, verschiedenen Mikrofon-und Mikrofonierungsvarianten  gegeneinander zu vergleichen.

Gleichzeitig sollten natürlich auch die gewünschten Sounds durch Instrumenten- und Equipmentwahl und Einstellen gefunden werden. Normalerweise wird zuerst der Sound eingestellt und dann das Mikrofon und die Aufnahmetechnik gewählt, allerdings kann man Mikrofone auch Sound formend einsetzen, in dem Fall wäre dies alles dann ein großer Arbeitsschritt.

 

Bsp. Bassgitarre (amp-mic, amp-di, bass-di)

Wir wollen eine Bassgitarre aufnehmen. Der Bassist spielt einen Ibanez ATK300 über ein Hartke HA3500 Bassverstärker mit einer 4x10er Box.

Zu bedenken ist: die Röhre im Preamp des Verstärkers und die 4x10er Box werden den Sound der Bassgitarre verändern.

1. Da dies gut oder schlecht sein kann, wählen wir die sichere Variante und nehmen den Bass direkt über eine DI-Box auf, d.h. Bassgitarre direkt in die DI-Box, von dort dann einmal zum Recording und den anderen Ausgang in den Verstärker.
2. Oder wir wollen mit der Röhre des Verstärkers etwas den Sound anzerren und nehmen den Bass durch den im Verstärker eingebauten DI-Ausgang auf.
3. Da auch der Sound der Box entscheiden gut sein kann, gibt es natürlich noch die Möglichkeit, ein Mikrofon davor zu stellen.

Falls ihr euch nicht für eine Variante entscheiden wollt: nehmt einfach 2 oder alle 3 Varianten parallel auf. Dies macht vor allem Sinn, wenn der Bassist mit Effekten arbeitet. Wenn ihr den cleanen Bass ohne Effekt über eine DI-Box aufnehmt und gleichzeitig dass Effektsignal über ein Mikrofon vor der Box, könnt ihr später beides mischen oder schiefgegangen Effekteinsätze korrigieren.

 

Dieser Arbeitsschritt kann, wenn ihr nicht sehr viele recording-Erfahrungen habt oder sehr experimentierfreudig seid, sehr viel Zeit benötigen. Allerdings ist es auch der wichtigste Schritt zu einem guten Sound. Später dann beim Mixen Sounds „zu reparieren“ sollte immer eine Notlösung bleiben.

 

Einstellung der DAW

1. Übersichtliches Routing

Mit dem jetzt fertigen Inputplan könnt ihr dann eure DAW konfigurieren.

Ihr solltet alle Inputsignale auf die zugehörigen Recordingspuren routen, die Spuren beschriften und vielleicht Ordner anlegen, um etwas mehr Übersicht zu schaffen.

 

2. Pegel korrekt einstellen

Alle Inputs sollten an den Vorverstärkern auf einen vernünftigen Pegel eingestellt werden (z.b. Peaks bei -12dB in der DAW-Inputsektion).

Dies ist ein sehr wichtiger Schritt, da

  • bei zu niedriger Vorverstärkung das Signal/Rauschverhältnis nicht optimal ist (allerdings hat aktuelles Recording-Equipment eine Dynamik von meist über 100dB und diese Grenze ist somit nur noch bei extrem leisen Aufnahmen relevant)
  • bei zu hohem Input kann es schnell zu unschönen digitalen Verzerrungen kommen. Da diese definitiv bei 0dB beginnen, solltet ihr eure Maximalpegel bei mindestens 12dB unter null einstellen und dies öfter mal kontrollieren, da Musiker normalerweise mit der Zeit etwas lauter spielen oder singen.

Analoge Mischpulte haben meist einen Headroom von mehr als 20dB, das heißt, zwischen dem Durchschnittspegel und der Verzerrungsgrenze sollten bei euren Aufnahmen bestenfalls genau soviel Platz sein.

3. Monitoring einrichten

Bevor die Session beginnen kann, muss noch das Monitoring organisiert werden z.B. ein Kopfhörermix für den Drummer, in dem er einen Clicktrack fürs Timing und einen Pilottrack mit Gitarre und Gesang für den richtigen Ablauf zusammengemixt bekommt.

Auch solltet ihr selbst während der Aufnahmesession alle Signale entweder über Kopfhörer oder über Monitorboxen abhören können. So könnt ihr leichter Fehler aufspüren und damit helfen, nicht sinnlos Zeit zu verschwenden.

 

Und keine Angst:

Falls dieser Text bei euch mehr Fragen aufgeworfen als beantwortet hat:

in unseren weiteren Tutorials werden wir euch Tipps und Tricks und deutlich genauere Erklärungen zu den wichtigen Punkten liefern.



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